Die Finalrunde um Rang 5 in der Swiss Wrestling Challenge League startete für die WAB mit der letzten Heimrunde der Saison gegen die Ringerriege aus Hergiswil. Eine Ansetzung, die aus dem Vorjahr beste Erinnerungen hervorruft, gelang der WAB damals doch die spektakuläre Aufholjagt nach 8-Punkte Rückstand und der erste Challenge League Sieg überhaupt in der Clubgeschichte.
Dass die WAB-Auswahl in diesem Jahr über das Minimalziel der letzten Saison, nämlich Klassenerhalt und mindestens ein Sieg, weit hinausgewachsen ist, war bereits vor diesem Finalrunden-Hinkampf klar. Mit fünf Siegen aus bis dato acht Begegnungen meldete sich die Berner Auswahl endgültig in der Swiss Wrestling Challenge League an. Besonders die beiden Siege über die Vorjahresmeister der Ringerstaffel Sense in den beiden vergangenen Wochen, konnten als kleines Ausrufezeichen gewertet werden, auch wenn die starke Schwächung der Sensler durch anhaltendes Verletzungspech selbstverständlich ebenfalls zu dieser Realität gehört.
Mit Spannung wurde der Hinkampf gegen die Ringerriege Hergiswil erwartet - und Spannung wurde geboten! Bereits nach dem Wiegen konstatierte WAB-Trainer Felix Faller: "Heute wird es um jeden einzelnen Punkt gehen."
Ausgeglichene Erste Hälfte mit akzenten auf beiden seiten
Mit genau dieser Massgabe startete Mustafa Shejai sein Duell gegen den jungen Marco Limacher, der auf eine zuletzt beeindruckende Siegesserie zurückblicken konnte. Vor dem Hintergrund der genau gegenteiligen bishergen Saisonbilanz des Berners, war die Favoritenrolle klar an den Hergiswiler vergebene. Dank eigener Punktgewinne brachte die technische Unterlegenheit dennoch bereits den ersten wertvollen Mannschaftspunkt auf das Konto der WAB.
Im Schwergewicht trat Mannschaftskapitän Fabio Buffolino gegen Fabian Aregger an. Ohne auch nur einen Punkt seines Gegners zuzulassen, brachte Buffolino mit einer konzentrierten Leistung einen ungefährdeten 9:0 Punktesieg ins Ziel und damit 3 zu 0 Mannschaftspunkte. Für Buffolino war das im fünften Einsatz bereits der vierte Saisonsieg. Eine individuelle Bilanz, die auch sinnbildlich für die Entwicklung der ganzen Mannschaft steht, konnte er doch im letzten Jahr ebenfalls seinen ersten Sieg in der Challenge League feiern.
Der erst vierzehnjährige Hergiswiler Joel Burri, der bisher aus acht Einsätzen auf beeindruckende sieben Siege zurückblicken konnte, baute diese Serie auch gegen den Berner Abbas Jafari weiter aus. Bereits die erste Aktion nutzte der Hergiswiler zum ungefährdeten Schultersieg.
Der direkte Konter gelang daraufhin dem Berner Teamkapitän Carlo Lanfranchi. Gegen Pasal Grüter entwickelte sich bis 97kg im Freistil ein intensives Duell in dem Lanfranchi gleich mehrfach dank seines gefürchteten Beinstichs Punktewertungen erzielen konnte. Eine entscheidende Unachtsamkeit des Hergiswilers in der Bodenlage nutzte Lanfranchi gekonnt, um seinen Gegner in der Rückenlage zu fixieren und so das Punktemaximum von 4:0 Mannschaftspunkten zu realisieren.
Diesem Beispiel folgte auch der bisher unbesiegte Serhii Buriatynskyi gegen Patrick Rölli. Beide Kontrahenten im Gewicht bis 65kg blickten vor diesem Duell auf eine bisher makellose Saisonbilanz in der Challenge League. Die beeindruckende Geschwindigkeit des Berners zahlte sich einmal mehr aus und seine Stärke im Bodenkampf nutzte er zu einem souveränen Schultersieg.
Nach fünf Kämpfen resultierte somit ein Zwischenstand von 12:8 Punkten zu Gunsten des Berner Heimteams.
emotionale schlussphase
Die zweite Hälfte des Kampfabends eröffnete der dritte Teamkapitän Riccardo Buffolino mit seinem Duell gegen Noé Oulevey bis 86kg im griechisch-römischen Stil. In einem ausgeglichen und hochintensiven Duell war es der Hergiswiler, der den Kampf etwas aktiver gestalten konnte und so Punktewertungen für sich realisieren konnte. Buffolino hielt jedoch taktisch klug und mit beeindruckender Physis dagegen und wendete die Maximalwertung für die Gastmannschaft erfolgreich ab. Dennoch brachten die 0:3 Mannschaftspunkt die Hergiswiler wieder heran.
Bis 70kg war es dann einmal mehr Vlad Moshkin, der mit beeindruckender Technik und Explosivität einen ungefährdeten Sieg durch technische Überlegenheit gegen Marvin Schmidiger realisierte. Ohne eigenen Punktverlust waren diese 4:0 Mannschaftspunkte ein wertvolles Polster, um die darauffolgende Niederlage von Trent Jäggi gegen Sven Bammert, ebenfalls durch technische Überlegenheit des Hergiswilers, zu kompensieren.
Für maximale Spannung sorgte dann das vorletzte Duell des Abends bis 75kg im Freistil. Ostap Savka und Martin Grüter lieferten sich ein beeindruckendes Duell auf Augenhöhe, bei dem beide Akteure sowohl ihre Geschwindigkeit als auch ihre technische Finesse ausspielen konnten. Zunächst realisierte der Hergiswiler Punktewertungen für sich und sah bis etwas 30 Sekunden vor Schluss wie der sichere Sieger aus. Durch eine starke Willensleistung von Savka, realisierte dieser jedoch den Ausgleich zum zwischenzeitlichen 4:4, was am Ende aufgrund der letzten Wertung den Sieg des Berners bedeutet hätte. Doch auch Martin Grüter steckte nicht auf, um die Chance der Hergiswiler auf den Sieg aufrecht zu erhalten und kam so fünf Sekunden vor Kampfende zu einer Zweierwertung, die am Ende zu 1:2 Mannschaftspunkten zu Gunsten der Hergiswiler führte.
Nicht nur, dass diese Begegnung an Spannung kaum zu überbieten war; sie führte auch auf der Anzeigetafel zum zwischenzeitlichen 17:17 und sorgte dafür, dass die Entscheidung im letzten Duell des Abends bis 75kg griechisch-römisch zwischen Sviatoslav Holovchenko und dem erfahrenen Marcel Kurmann fallen musste. Der 27jährige Hergiswiler machte gegen den erst 16jährigen Berner von Beginn an klar, wer der Favorit in diesem Duell ist und sicherte sich erste Punktewertungen. In der zweiten Kampfhälfte gelang des Holovchenko besser, weitere Wertungen zu verhindern. Als beim Punktestand von 5:13 Punkten bereits alles nach einem Hergiswiler Triumph aussah, war es dann jedoch der Berner, der mit einer explosiven Aktion im Stand den Hergiswiler in die Rückenlage zwang. Ein intensiver Kampf am Boden, bei dem Marcel Kurmann mit aller Kraft versuchte die drohende Schulterniederlage abzuwenden, endete dennoch mit dem in der Berner Ecke euphorisch gefeierten Schultersieg für Sviatoslav Holovchenko.
Das Schlussresultat von 21:17 Punkten rückte für einen kurzen Moment in den Hintergrund, da Marcel Kurmann bei dem intensiven Bodenkampf das Bewusstsein verlor und einige Minuten behandelt werden musste, bevor er dann gestützt, aber zum Glück auf eigenen Beinen, die Matte verlassen konnte.
Eine weitere Verzögerung vor der offiziellen Verkündung des Resultats entstand durch den Protest des Hergiswiler Trainers Patrick Stadelmann, der einen Verstoss der Berner gegen die geltenden Kleiderordnung beanstandete. Ein WAB-Akteur hatte in der Mannschaftsaufstellung eine von den anderen abweichende Hose getragen, was nicht dem Reglement entspricht. Ausserdem forderte er die Kampfrichterin auf, eine vermeintliche Regelwidrigkeit beim offiziellen Wiegen zu protokollieren. Nachdem die Kampfrichterin, Claudia Häusler-Bürli, dieser Aufforderung nachgekommen und das offizielle Resultat verkündet war, konnten die Berner Feierlichkeiten starten.
Der Vorsprung von vier Punkten verspricht für den Rückkampf eine spannende Ausgangssituation. Am kommenden Samstag reisen die Berner nach Hergiswil, um dort erneut mit vereinten Kräften für den fünften Schlussrang in der diesjährigen Swiss Wrestling Challenge League zu kämpfen.
