Der 4-Punkte-Vorsprung aus dem Hinkampf vor einer Woche reichte am Schluss leider nicht aus, um den 5. Schlussrang in der Challenge League 2025 zu sichern. Die Ringerriege Hergiswil setzte sich nach einem spektakulären und hochstehenden Kampfabend mit 39 zu 38 Punkten in der Endabrechnung durch. Bei der WAB überwiegt dennoch der Stolz und die Freude über eine aussergewöhnlich starke Saison mit sechs Siegen aus zehn Begegnungen.
Den Kampfabend eröffnete Mustafa Shejai - einer von drei WAB-Akteuren, die in dieser Saison sämtliche Kämpfe bestritten. Gegen Marco Limacher zeigte er, wie schon in der Vorwoche, dieses Mal jedoch im griechisch-römischen Stil, eine starke Leistung und konnte bei der Niederlage durch technische Überlegenheit immerhin einen Mannschaftspunkt sichern. Ein erstes Spektakel bekamen die ca. 250 Zuschauerinnen und Zuschauer beim Kampf bis 130kg im Freistil. Adam Jacek, ein Belper in Diensten der Hergiswiler, stellte Carlo Lanfranchi vor eine grosse Herausforderung. Über die gesamte Kampfzeit lieferten sich die beiden Kontrahenten einen Schlagabtausch auf Augenhöhe. Beide realisierten Punktewertungen. Die letzte Aktion des Kampfes gehörte jedoch dem Hergiswiler, der den Kampf somit knapp für sich entscheiden und 2:1 Mannschaftspunkte zu Gunsten der Hergiswiler notieren durfte.
Bis 61kg Freistil fand ein echtes Generationenduell statt. Der 37-jährige Berner Punktegarant Serhii Buriatinskyi stand dem erst 14jährigen Joel Burri gegenüber. Dem Youngstar gelang es zwar nicht, die vorzeitige Niederlage durch technische Überlegenheit abzuwenden, doch konnte er einen wertvollen Punktgewinn realisieren und somit mit "nur" 1:4 Punkte einen später noch wichtigen Beitrag zum Gesamtresultat leisten. Nach dem ersten Sieg für die WAB folgte im Duell bis 97kg Greco erneut ein Triumph für die Hergiswiler. Zwar konnte Denys Aleksieienko die ersten Kampfminuten aktiver gestalten und in Führung gehen. Der hochmotivierte Noé Oulevey spielte mit zunehmender Kampfdauer seine grössere Ausdauer aus und sicherte sich am Ende den klaren Punktesieg. Im letzten Duell vor der Pause war es Yousuf Rezai, der gegen Jonas Schumacher nichts auzurichten vermochte und den Kampf erneut mit der Maximalwertung für Hergiswil durch Schulterniederlage verloren geben musste.
Zur Kampfhälfte lautete der Zwischenstand somit 14:7 zu Gunsten des Heimteams.
Auch der Auftakt in die zweite Hälfte des Abends verlief zu Gunsten der Napfringer. Habib Ibrahimi, der gegen Sven Bammert antrat, musste ohne eigene Punktewertung die technische Überlegenheit über sich ergehen lassen. 18:7 Punkte waren somit die Ausgangslage für die dringend erforderliche Aufholjagd durch die Berner.
Diese lancierte der gesundheitlich angeschlagene Vlad Moshkin in einem für ihn unliebsamen Freistilkampf eindrücklich. Ein offener Schlagabtausch gegen Marvin Schmidiger, den er in der Vorwoche im griechisch-römischen Stil noch auspunkten konnte, endete dieses mal in einem starken Punktesieg und damit 3:1 Mannschaftspunkten (Zwischenstand: 19:10). Mit diesem Sieg vollendete Vlad Moshkin eine beeindruckende Serie von zehn Siegen aus zehn Kämpfen in dieser Saison und saisonübergreifend sogar den 17. Sieg aus 20 Kämpfen.
Die WAB endgültig zurück in das Rennen brachte Dominik Rothen. Der Berner, der die gesamte Saison 2024 verletzungsbedingt verpasst hatte, meldete sich genau zum richtigen Moment mit einer starken Aktion zurück und krönte seinen vierten Saisonauftritt mit einem Schultersieg gegen Nino Stadelmann. Die vier Mannschaftspunkte führten zum Zwischenstand von 19:14 Punkte. Die finale Entscheidung musste also erneut in den beiden Kämpfen bis 75kg gefunden werden.
Zunächst stand der direkte Rückkampf des emotionalsten Duells der Vorwoche an. Sviatoslav Holovchenko, der in der Vorwoche in Rückstand liegend Marcel Kurmann schulterte und so den Berner Sieg möglich gemacht hatte, stellte sich der Herausforderung gegen den erfahrenen Hergiswiler erneut. Umso lauter war der Aufschrei im Publikum nach wenigen Kampfsekunden, als es dem Berner erneut gelang, einen Wurf anzusetzen und Kurmann erneut in die gefährliche Lage zu zwingen. Zum Schultersieg reichte es jedoch nicht und so entwickelte sich ein offenes Duell mit Punktewertungen auf beiden Seiten. Der Routinier setzte sich dieses Mal jedoch durch und so lautete das Resultat 11:2 und somit 3:1 Mannschaftspunkte für die RR Hergiswil. Beim Zwischenstand von 22:15 Punkten war jedoch noch immer alles möglich. Mit den vier Punkten aus dem Vorkampf im Gepäck, wäre ein deutlicher Punktesieg ohne Punktverlust oder ein vorzeitiger Sieg nötig gewesen, um das Ruder nochmals herumzureisen.
Ostap Savka stellte sich dieser mentalen Monsteraufgabe, musste aber rasch erkennen, dass der perfekt eingestellte Martin Grüter, kaum Angriffsfläche bieten würde. Ein Duell auf hohem Niveau, allerdings mit wenigen Punktewertungen, endete mit einem 1:1. Aufgrund der letzten Wertung konnte Ostap Savka immerhin in seinem zehnten Saisoneinsatz seinen achten Sieg feiern. Eine beeindruckende individuelle Bilanz.
Am Endstand von 22:17 Punkten und damit 39:38 Punkten in der Endabrechnung, konnte dieser abschliessende Erfolg nichts mehr ändern. Der somit manifestierte sechste Schlussrang in der Swiss Wrestling Challenge League 2025 ist jedoch sekundär für die noch immer junge WAB-Auswahl nach ihrer dritten Challenge League Saison. Vereinspräsident und Team Manager Robin Pietschmann brachte es bei seiner kurzen Ansprache im Mannschaftsbus auf den Punkt: "Vor erst drei Jahren sind wir angetreten mit dem Minimalziel, je Match mindestens 10 Mannschaftspunkte zu machen; letzte Saison wollten wir unseren ersten Sieg holen und den Klassenerhalt sichern; dieses Jahr blicken wir auf sechs Siege aus zehn Matches zurück - was für eine Entwicklung: Die Zukunft gehört uns!"
Der Stolz über das Erreichte war auch beim gemeinschaftlichen Abendessen im SportRock Willisau noch spürbar. Während bei den meisten Clubs eine Art Erleichterung Einzug hält, dass die Saison geschafft ist, dominierte bei der WAB-Equipe das wehmütige Gefühl, dass eine schöne Zeit zu Ende gegangen ist und man es jetzt schon kaum erwarten kann, in die neue Saison zu starten.
